Kategorien
ausfluege projects

Der Höllentrip.

35 km von Flaesheim über Ahsen bis zum Wasserstraßendreieck WDK/DEK und zurück


Diese Wanderung ist von vorne bis hinten eine Zumutung. Schon zu Beginn, ich bin kaum im Wald, gäbe ich ein Königreich für ein Fahrrad. Die Wege sind natürlich wanderbar, alles, was kein Pudding ist, ist wanderbar, aber ich bin der Fremdkörper in einem Wald voller Mountainbiker. Außerdem ist der Wald nicht besonders und je schneller ich ihn durchquere, desto besser, denke ich. Ich bin aber heute auch getrieben. Getrieben von den 35 Kilometern, die ich mir vorgenommen habe, getrieben von der Sonne, die wie ein Brennglas am Himmel steht und getrieben von einer Unzufriedenheit, die ich irgendwie mit im Gepäck habe. Ist halt auch so ein Tag, den man eigentlich nicht alleine verbringt: Christi Himmelfahrt. Tausend laute Paare und Familien, mit Hund und ohne Hund, zentnerweise Männergruppen in alkoholischer Beschleunigung, dazwischen ein paar aufgeregte Vögel. Nach zwei Stunden komme ich in Ahsen an. Rasensprenkler spritzen Wasser auf Teile der Plätze der Borussia. Irgendwas fehlt hier, wie sein Name wirkt auch der Ort selber irgendwie debil. Am Wesel-Datteln-Kanal geht es zusammen mit Heerscharen radelnder Ausflügler an zwei Schleusen vorbei dorthin, wo sich die Kanäle küssen. Es ist ein unromantischer Ort und ich könnte vor Hitze kotzen. Schön ist es an der alten Fahrt, wo Frösche quaken, Männer (und ich meine: Männer) ihre Rute ins Wasser werfen und Blesshühner mit ihren Küken verstecken spielen. Die Sonne hat mich mittlerweile mürbe gemacht, ich brenne und springe von Schatten zu Schatten. Dann das Highlight: die „Alte Fahrt“ überquert in einer Brücke von 1894 die Lippe. Die auch die Ems sein könnte. Aber die Lippe ist.

Asphaltiert geht es über einige Kilometer Richtung Westen. Wie schaffte es dieser Höllentrip in den KOSMOS-Wanderführer, denke ich, eine Radtour – ja, aber das ist doch keine schöne Wanderung! Aber vermutlich liegt es an mir und meiner Tagesform. Ich laufe durch eine schattige Feriensiedlung entlang der Lippe, doch als ich zu ihr vorstoßen möchte, komme ich nur an eine zugewachsene Böschung. Mein Wasser ist leer, die weit und breit einzige Brücke über die Lippe dauerhaft gesperrt, kurz überlege ich, an einer seichten Stelle hinüberzuwaten, doch die Lippe ist hier viel zu dick. Also überwinde ich die Absperrungen, fülle meine Flasche auf dem Sportplatz der Borussia in Ahsen und trete seufzend die letzten 6 Kilometer an. Es geht wieder am Kanal entlang, irgendwann verliere ich die Nerven und kämpfe mich quer durch den Wald, wie sich später herausstellt: ein Zeckenwohngebiet. Aus dem Wald raus wieder auf einen Weg, auf dem mir Hunderte jugendlicher Badegäste entgegenschlendern, die, wie ich kurz darauf erkenne, am schönen – aber privaten – Baggerloch Flaesheim des Strandes verwiesen wurden und nun wie Soldaten nach verlorenem Krieg den Rückzug antreten.

Viel kommt nicht mehr, noch zwei, drei Kilometer auf einem Radweg durch den Wald, dann endlich zurück am Parkplatz, wo ich endlich wieder die Paradefunktion meines Taschenmessers nutze: mittels Pinzette die Zecken von der Haut zu zupfen.
Also: anstrengend, nervig ob der vielen Radler, ansonsten aber gar nicht so schlecht. Nächstes Mal gerne mit dem Mountainbike.

Tour bei komoot

Zurück

Kategorien
ausfluege projects

Die Seesucht.

27 km um einen Großteil des Biggesees


Der Tag beginnt zu spät und ausnahmsweise liegt es an mir. Aus Spaß hatte ich L. geschrieben: Abfahrt pünktlich 7:45 Uhr. Da lag ich noch im Bett. Um 10 holte ich ihn in Hagen ab, um 11 waren wir schließlich am See. Von dessen Größe sieht man: nichts. Überhaupt sieht man den See fast nur, wenn man an seinem Ufer steht. Er windet sich in schmalen Kurven zwischen dicht bewaldeten Hügeln, wie eine letzte vergessene Pfütze im ansonsten staubtrockenen Acker. Wir laufen zunächst am See entlang, dann in den Wald hinauf, ein bisschen irgendwelchen Zeichen hinterher, ein bisschen der Nase nach, immer wieder durch kleine sauerländer Dörfer hindurch, eines trägt den Namen „Unterneger“, an einem sehr ordentlichen Campingplatz verlieren wir den Faden, sehen aber wenigstens den See wieder, der uns schon abhanden gekommen schien.

Wir überqueren ihn bei Eichhagen und finden dort den Zugang zum gut ausgeschilderten Bigge-Lister-Weg. Landschaftlich möchte man sich resigniert abwenden und ein gutes Buch aufschlagen oder gleich wegdämmern – wenn nicht gerade irgendwo eine Hotelruine steht oder drei Jungs ihren Trekker für eine Ausfahrt herrichten sehe ich nichts Neues, nur Fichten, Buchen, Birken, Felder, Wiesen, Eichen, Eschen und ab und zu eine kreuzende Straße oder eine misstrauische Krähe. Ich frage mich, wie lange ich noch durch Mittelgebirge wandern werde. Heute liegt der Reiz in der Gemeinschaft und der Aussicht auf das erste Bad im See des Jahres, an anderen Tagen muss ich ihn woanders suchen, vielleicht im Höher, Schneller, Weiter, vielleicht in der Sonderbarkeit dessen, was ich sehe oder denke.
Wir überqueren die Listerstaumauer. Auf dieser Westseite des Biggesees knattern Motorräder ohne Unterlass an uns vorbei, ich zähle sie nicht, ich könnte es nicht, aber den fünfhundertsten werde ich erschiessen. Keine Sorge, ich werde es nicht tun. Man denkt ja immer, es seien junge, wilde, die da ihre Freiheit ausreizen, doch unter den Helmen stecken hier meist graue Haare. Ich wünschte, sie würden wandern oder irgendwo im Schaukelstuhl sitzen.
Wir kürzen ab und landen auf einer Lichtung, die offenkundig der Ausübung der Freikörperkultur dient, kreuzen und queren noch zwei, drei mal die Straße und erreichen unseren Ausgangspunkt.

Zurück