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What a wonderful Wald.

16 km-Runde von Hausdülmen nach Sythen

Es war der erste Ferientag. Ich saß in der Vormittagssonne auf der Terrasse und bis zum Abend lagen sieben Stunde Leere vor mir. Die Sonne schien zwar nicht, aber sie schien auch nicht nicht. Mit anderen Worten: eine kleine Tour wäre drin, nur wohin? Im lokalen DAV-Magazin lese ich von einem Waldgebiet namens Linnert, nie gehört, doch wo es liegt ist schnell ergoogled/ergooglet, nicht weit von hier, ich fahre hin, nehme das Rad mit, zum Laufen fehlt zwar nicht die Zeit, aber die Lust (sollte sich der Linnert als Fehlschlag erweisen, wäre ich wenigstens schnell durch).

Von einem ALDI-Parkplatz in Dülmen geht es zunächst am Silbersee vorbei, Nummer 3. Die Silberseen entstanden aus ehemaligen Gebieten der Quarzsandgewinnung, See 1 und 2 sind zum Baden freigegeben und tragen angeblich den Namen „Badewanne des Ruhrgebiets“, an diesem Montag ist so oder so niemand zu sehen. Den See im Rücken geht es nach Sythen, das ich – wie so einige Orte – stets nur an einer Seite angeknabbert hatte. Heute jedoch sehe ich den altbäuerlichen Ortskern, das Freibad, die Kühe, Pferde, spießige EFHs. Die angeknabberte Seite: das Schloß. Eher: Burg, von massivem Holztor verschlossen, hat Geschichte, ist aber leider Privatbesitz. Hinter dem Schloß aber: der Linnert. Auch Privatbesitz, gehört irgendeinem von und zu, man kann aber überall in ihm herumlaufen. Was diesen Wald so wonderful macht: Natur, Montag, Juli. Alles ist grün, Birken, Buchen, Eichen, Farne kreuz und quer wie Kraken und Partypeople, ein kleiner Bach kriecht hindurch, andere Menschen nicht zu sehen. Ich lege mich auf eine Lichtung und döse.

Bin ich wach oder träume ich, als ich auf einem Friedhof mit Kriegsgräbern stehe? Hunderte Tote aus dem ersten Weltkrieg, Polen, Russen, alle um die 30, als sie hier in Gefangenschaft kamen und starben, hier in Hausdülmen, einem eigentlich so friedlichen Örtchen, irgendwo zwischen Mühlenbach, Pfarrkirche und Burgschänke. Zurück in Dülmen selbst holt mich die Realität wieder ein: In einer kleinstädtischen Fußgängerzone sitze ich auf einer Bank, in der einen Hand eine Eiswaffel mit Stracciatella und noch irgendwas, in der anderen das Gefühl, viel zu wenig von dem, was mir heute geboten wurde, mitgenommen zu haben.

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