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ausfluege bike

GlaBotKi.

Hätte man mich vor ein paar Jahren gefragt, was mir zu Gladbeck und Bottrop einfiele, wäre Folgendes dabei rausgekommen: Geiseldrama und Moviepark. Das ist ein bisschen dürftig, nicht wahr? Also rauf auf’s Rad und mal gucken, ob das wirklich alles ist.

Startpunkt ist zufällig die „Bezirkssportanlage“ Stadion Lüttinghof in Gelsenkirchen-Buer, weil direkt an der Autobahn und Parkplatz. Aufmerksame Leser werden bemerken, dass ich da schon mal war. Ich hab’s auch schon gemerkt. Deswegen das Adverb „zufällig“. Diesmal geht es jedoch weiter nach Westen, am ehemals zweitgrößten Kohlekraftwerk der Republik vorbei (Kraftwerk Scholven), das immer noch sehr betriebsam wirkt, wenn auch weniger und weniger kohlebetriebsam und mehr und mehr erdgasbetriebsam. Außerdem stehen da auf dem Hügel auch zwei Windräder, vermutlich als eine Art Feigenblatt.

Die Straße runter komme ich am offensichtlich auf halber oder viertel Kraft fahrendem Moviepark entlang (man könnte meinen, in den Ferien stünden die Besucher dort Schlange, aber statt Schlangen steht die Leere vor den Toren und nur aus der Ferne hört man vereinzelte Schreie aus so einem, ja was, keine Achterbahn, kein Riesenrad, wie heißen die Dinger, die einen quer durch die Luft wirbeln? Noch Karussel oder schon … Zentrifuge?) Daneben direkt der nächste Freizeitpark: Schloss Beck. Von irgendeiner Familie in den 60er brachliegend aufgekauft und umgebaut. Heute sieht es so aus: Familien mit Kindern bis 8 Jahre gehen nach Schloss Beck, alle anderen in den Moviepark. Ich weder noch, sondern zur Maschinenhalle Zweckel, einem imposanten und ordentlich gepflegten Überrest der ehemaligen Zeche, die ich allerdings nur kurz beschnuppern darf, denn eigentlich ist gar nicht auf und freundlich werde ich aufgefordert, das Gelände wieder zu verlassen.

Richtung Gladbeck Zentrum geht es wie überhaupt den ganzen Tag und meistens im Ruhrgebiet über schmale Straßenstreifen mit Rissen und Löchern. Kurz vor dem Zentrum war irgendwas, was ich mir markiert hatte, doch ich kann beim besten Willen nicht entdecken, was es war. Im Zentrum geben sich die Discountläden die Tüten in die Hand, sonst ist es aber friedlich und schön. Schön ist auch (herrlich, ich wollte schon lange mal wieder so eine hemdsärmelige Überleitung machen), also schön ist auch das Schloss Wittringen. Sogar sehr schön. Sehr schön, dass da plötzlich so ein Park auftaucht und dadrin ein Teich und dadrin ein Schloss. Und daneben ein Stadion, die „Vestische Kampfbahn“ für 35.000 Leute. Leider gibt es keinen Verein, der diese Menge an Menschen hier reinbrächte, aber vielleicht ja Bundesjugendspiele oder so was. Ich wäre jedenfalls dabei.

In einer Bergarbeitersiedlung versteckt sich die Hauptfiliale der „Grubenhelden“, einem Label für trendige Ruhrpottklamotten, Steiger-Style und so. Leider montags zu. Die dünnen Reifen meines Fixi (schreibt man es so?) rumpeln über Stock und Stein und die Bottroper Stadtgrenze, die an jeder Stelle, wo ich sie überquere – und ich überquere sie heute irgendwie ständig – die Europa-Stadt Bottrop mit ihren zahlreichen Partnerstädten feiert, bis ich über einen nicen Uferweg endlich die City erreiche, von der ich nicht gedacht hatte, dass es sie gibt. Ist man doch im Handumdrehen in Oberhausen, Essen oder Gelsenkirchen. Aber nein! Auch Bottrop hat eine Innenstadt, Fußgängerzone, Geschäfte, nette Menschen.

Die Sonne, die ich extra für heute gepachtet hatte, ist weg, die Lust – auch die meinte ich gepachtet zu haben – auch, der Rückweg wird so zu einer unangenehmen Sache. Ich wähle die kürzeste Verbindung, vernachlässige sträflich das Tetraeder, das sich rechts des Weges aus einer Halde erhebt, aber ganz ehrlich: aus jeder Halde wird hier ein Naherholungszentrum mit irgendeinem vermeintlich bemerkenswerten Special-Teil gemacht, hier ne Sonnenuhr, da ein Tetraeder, irgendwann ist auch gut. Dann doch lieber daran freuen, dass im Stadtteil Batenbrock (jetzt nicht fragen: Stadtteil von welcher Stadt? – Ich befinde mich im Bermudadreieck Gladbeck/Bottrop/Gelsenkirchen und habe den Überblick verloren), jedenfalls gibt es da einen schönen Laden, der zur Bürgerbeteiligung einlädt. Eine Tagespflege für deutsche und türkische Frauen. Loren vor den Häusern mit Blumen drin. Männer, die an Gebüsche urinieren.

Finally bin ich wieder da, wo ich auch schon mal war (man glaubt nicht, dass es in so einem scheinbar riesigen Raum wie dem Ruhrgebiet möglich ist): Buer. Gerade noch in Boy, jetzt in Buer. Das hübsche Buer (keine Ironie, wirklich hübsch). Jetzt kenne ich mich aus: Altstadt, Krankenhaus, alte Zeche, Arbeitersiedlung, Bezirkssportanlage Stadion Lüttinghof. Fertig. Und auch wenn das nur ne erste Kontaktaufnahme zu neuen Orten war steht eines schon fest: Bottrop ist mehr als Moviepark und das Geiseldrama von Gladbeck ist längst vorbei.

Tour bei komoot:

https://www.komoot.de/tour/274410783?ref=wtd