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Hermann extern, oder so.

Knapp 29 Kilometer von den Externsteinen zum Hermannsdenkmal und zurück.

Weil mir Berlin zu weit war, fuhr ich also nach Bad Meinberg, genauer: nach Horn-Bad Meinberg. Eigentlich, als die Orte am 1.1.1970 zusammengelegt wurden, sollte es Bad Meinberg-Horn heißen, aber „es regte sich massiver Widerstand“, wie es so schön heißt. Von Horn kriege ich aber ohnehin nichts mit, von Bad Meinberg etwas mehr, aber das ist ja auch egal, es geht ja primär ums Wandern. Horn-Bad Meinberg also deshalb, weil hier die Externsteine sind, weil man von den Externsteinen eine gute Runde zum Hermannsdenkmal und zurück drehen kann, und weil Berlin mir, wie gesagt, zu weit war. Außerdem sollte es am Sonntag regnen, nur am Samstag einige wenige sonnige Stunden geben, sonst Regen, aber das war natürlich wieder nicht so, am Ende gab es überhaupt keinen Regen, weder am Samstag, noch am Sonntag. Aber zurück zum Thema.

Ich starte direkt am Highlight, weil ich nicht wüsste, wo sonst. Die Externsteine sind eine Felsformation aus Sandstein, aber vor allem auch: eine enorm beeindruckende Felsformation aus Sandstein. So unvermittelt stehen sie da, dass man kaum glauben kann die Natur schüttele sowas einfach mal aus dem Handgelenk, ohne Absicht und Kalkül, doch vielleicht war es ja gerade Kalkül und Absicht, dass die Menschen kommen und da stehen und die Felsen bestaunen (und sie zigtausendfach fotografieren), wie sie da stehen. Es ist noch früh, ein Mann spielt auf einer Art Querflöte während die ersten sich anstellen, um die Felsen zu beklettern.
In dem Wissen, am Abend zurückzukehren, mache ich mich schnell auf den Hermannsweg zum Hermannsdenkmal, gut 12 Kilometer. Herrlich, mal wieder bergauf und bergab durch echten Wald zu laufen, keinen Stadtforst, aber es ist auch: sehr populär, also ich meine: SEHR populär. Nach dem sechsundvierzigsten „Hallo“ vergeht mir die Lust am Grüßen und ich wünschte, ich hätte eine Nebenstrecke genommen. Dennoch: der Weg ist schön, führt auf und ab auf schmalen Pfaden und breiten Trassen mitten durch den Garten von Mutter Natur.

Obwohl mich die Externsteine viel mehr beeindruckten, scheint der Arminius, mit knapp 54 Metern die größte Statue Deutschlands, eine viel stärkere Anziehungskraft auf Touristen auszuüben, sie tummeln sich in Scharen, zu allem Überfluss findet noch ein Fotoshooting mit irgendwelchen Stinktier-Darstellern statt und eine breitbeinige Truppe offen Rechtsradikaler arbeitet ihre Liste germanischer Pilgerstätten ab. So wahnsinnig und bemerkenswert diese Umsetzung deutscher Nationalromantik auch ist, mir wird schlecht und ich trete den Rückzug an. Der soll eigentlich easy über den X6 gehen, doch, wie so oft, ich verliere ihn und irre, nicht nolens noch volens, den nicht zielführenden X10 zu laufen, offen durch den Wald. Was in Kanada oder den Karpaten spannend werden könnte, endet hier allerdings nur damit, dass ich einen Abhang hinunterstolpere, wo ich wiederum auf einen Wanderweg treffe, „Hallo!“. Es scheint, die deutschen Wälder seien mit Wegen durchzogen wie meine Nerven mit dünnen Drahtseilen, ach was, Drahtfasern, die jeden Augenblick zu reißen drohen. Bergauf, bergab, ich wusste nicht mehr, wie wenig ich das gewohnt bin und wie sehr es nerven kann, es ist Monate her, dass ich mit Höhenmetern in Kontakt kam, und jetzt, wo ich mich wieder den Externsteinen nähere, nimmt die Dichte an Grüßaugusten erneut anstrengende Ausmaße an. Als ich dann aber schließlich dort bin, die Kraft der Naturgewalt vor Augen, fröhliche, multikulturelle Familien statt rechtsnationaler Symbolik, Weite statt Enge, da fällt der Frust in sich zusammen. Vielleicht bleibe ich beim nächsten Mal einfach bei den Externsteinen, lege mich dort den ganzen Tag ins nassfeuchte Gras und spiele auf meiner Querflöte. Das ist zwar keine sportliche Leistung, aber es schont die Nerven, und manchmal kann man beides zugleich eben nicht haben.

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