Kategorien
ausfluege

Die Corona-Wanderungen.

Diverse Touren rund um Bad Iburg.

Als alles plötzlich downgelocked wurde, fuhr ich nach Bad Iburg. Ich musste raus und mit Bad Iburg war ich noch nicht fertig. Bad Iburg – geschichtsträchtiges Kaff und Kneippkurort zugleich, überragt von Burg und Kloster, die Bischof Benno hier vor gut tausend Jahren errichten ließ, geplagt von der B51, die einmal quer durch die Stadt verläuft.
Vor Jahren hatte ich hier den Hermannsweg verlassen und ihn seitdem nicht wieder betreten. Natürlich Quatsch, da jetzt weitermachen zu wollen, alles hatte ja zu und auf Bad Iburg folgen einige Etappen, die mit Bus oder Bahn kaum zu erreichen sind, man braucht also a) Zeit und b) offene Pensionen. Aber egal. Es war Mittwoch, ich fuhr nach Bad Iburg und genauso würde ich es in den zwei darauffolgenden Wochen tun. Das wusste ich da aber noch nicht.

Ich stellte das Auto auf dem Gelände der Landesgartenschau ab, welche seit zwei Jahren vorbei ist, aber eine sehr hübsche und akribisch ordentliche Parklandschaft hinterlassen hat, eine Art Vitrine von Mutter Natur. Hinauf, durch ein Wohngebiet, erreichte ich einen Höhenzug und fühlte mich wie ein Kind, das zum ersten Mal ein Spielwarenland betritt: ich sah Bäume, roch Wald und hörte Vögel. Es kam mir unwirklich vor und sagenhaft schön. Dem Ahorn-Weg nach ging es zu den Duvensteinen, einer Felsformation, die mit dunklen Feen (du ve) in Verbindung steht – in welcher, ich vergaß schnell. Überhaupt vergaß ich vieles, darunter: wie langweilig der Hermannsweg über dem Rücken des Gebirgszugs liegt. Ich erinnerte mich, als ich auf ihm gedankenverloren durch den kranken Wald zurück nach Bad Iburg lief und meine Genugtuung aus der Erschöpfung fünfundzwanzig gelaufener Kilometer schöpfte.

Die nächste Tour folgte genau eine Woche später und es war die schönste der drei. Wie immer im April war es sonnig und warm. Ich lief auf den Dörenberg, auf dessen Spitze der Hermannsturm steht, um ihn noch ein bisschen höher und den Ausblick weiter zu machen, hinunter durch ein Tal und auf den Musenberg, deutlich niedriger als der erste, aber mit einem Blick über eine Aue (oder so) auf den Wald. Vielleicht gefiel mir der Musenberg auch deshalb, weil ich dort in der Sonne saß und eine mitgebrachte Enchilada aß, manchmal lässt man sich ja von solch Eindrücken blenden. Anschließend talwärts zum Zeppelinstein, der die Frage aufwarf, warum? Warum Zeppelin? Warum Stein? Warum hier, mitten im Wald? Und tatsächlich verzweifelte hier dereinst das verirrte und vom Wege gepustete Luftschiff LZ 7 auf seinem Weg nach Osnabrück, wie fast jedes Luftschiff irgendwann an Wind und Wetter und seinen mangelnden Flugfähigkeiten verzweifelte. Leider schuf man es fort, nun also nur noch ein Stein, ein Mann auf einer Bank und eine Schleife, die über einige Knoten zurück nach Bad Iburg führt.

Die nächste Tour folgte genau eine Woche später und es war die enttäuschendste der drei. Ich hätte es bei zweien belassen sollen, aber nun wusste ich es nicht. Ich lief den Hermannsweg gen Osten, am Kleinen und am Großen Freeden vorbei, bis über die A33 und in einer großen Kurve wieder zurück. Das klingt nicht nur furchtbar langweilig, so war es auch. Mittags suchte ich über mehrere Stunden einen Ort zum Rasten, doch es gab keinen. Es gab keine Bänke, es gab nur Schatten, und wo kein Schatten war, war Wind. Das Schönste an dieser Wanderung waren zwei Kugeln Eis, die ich am Ufer des Charlottensee genoß, sowohl See als auch ich versunken in Erinnerung an Königin Sophie Charlotte, die in Bad Iburg das Licht der Welt erblickte.

Corona verging, zumindest nahm ich es so wahr, andere Dinge wurden wieder möglich. Es blieb das Glück dreier Tage, die mich mit diesem Flecken auf lange Zeit verbinden.

Schönste der drei Touren bei Komoot

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.