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The main dish.

70 Kilometer von Recklinghausen über Marl nach Gelsenkirchen und am RH-Kanal zurück

Nachdem es vor ein paar Wochen den Appetizer gab, eine kleine Runde von Erkenschwick nach Recklinghausen, gönne ich mir heute die Hauptspeise, von der ich aber vorher noch gar nicht weiß, dass sie es wird. Im Gegenteil, eigentlich will ich nach Bochum, aber auf Höhe Recklinghausen ist die Platte von Grönemeyer durch (fahre ich so langsam oder singt Herbert so schnell?), also fahre ich raus. Recklinghausen, das liegt mir seit meinem letzten Besuch noch auf der Seele, hatte ich irgendwie nicht recht gewürdigt, dabei ist es so nett. Also nochmal quer durch die Citywüste aus hübschen Gässchen und Nachkriegsbeton und dann hoch zum Ruhrfestspielhaus. 1965 wurde es eigens für „eines der renommiertesten Theaterfestivals Europas“ auf dem „grünen Hügel“ errichtet. Mittlerweile modernisiert und mit Glas verkleidet sieht es echt schön aus, so schön, dass ich gerne wiederkomme, wenn mal wieder Festspiele sind.

An der Sternwarte entlang geht es der Sonne nach Richtung Westen, es sieht aus wie zu Hause: Felder, Höfe, Pferde, so weit das Auge reicht. Dann Marl. Ich wollte schon immer marl nach Marl, schon alleine, weil einem mit einem Marl so schöne Wortspiele einfallen. Also, Marlzeit! Fester Termin: das alte Jahnstadion, in dessen Stehplatzkurven mittlerweile Birken und Buchen statt Schlachtenbummlern stehen sollen. Nach einer halben Stunde Rumfahrerei finde ich es, in geisterhafter Atmosphäre. Die alte Schule sieht an sich schon aus wie ein Gruselhaus, dass an allen Bäumen Kreuze gepinselt sind macht es nicht besser. Hintergrund: Wald, Schule und Stadion sollen seit Jahren abgerissen werden. Gottseidank wurden sie es nicht. Das Stadion, das einst 35.000 Platz bot und in dem der VfB Marl-Hüls Anfang der Sechziger erstklassig spielte, ist sogar auf: Baseball statt Fußball, klong, klong, klong, die Schlagmänner der „Sly Dogs Marl“ bereiten sich auf das Freundschaftsspiel gegen die „Bochum Barflies“ vor. Es gibt kalte Softdrinks und Würstchen vom Grill.

Weiter gen Südwesten erreiche ich in gewohntem und bewährtem Kreuz-und-Quer-Verfahren den beschaulichen Ortsteil Polsum, von dort weiter zum Hof Lüttinghaus, einem Wasserschloß, an dem sich mein Weg ausnahmsweise mal mit dem aller anderen kreuzt. Ein Stückchen weiter beginnt dann Gelsenkirchen, wie immer klischeehaft: in der Straße „Bergmannsglück“ parkt ein Proletenauto vor einer königsblau gestrichen Garage. Durch das Werksgelände der Firma uniper, ein Energieriese, den ich nicht hätte verorten können, erreiche ich den Gelsenkirchener Stadtteil Buer, wie fast immer im Pott eine Mischung aus Multikulti, Shopping Queen und Spießbürgertum. Von hier ist es nicht weit nach Schalke. Ich versuche, einen Weg am Stadion vorbei zu erzwingen, doch es gelingt mir nicht, irgendwie rausche ich dran vorbei, stolpere kurz über das Grab des letzten Grubenpferdes Alex und komme erst in Horst wieder zum Stehen. Schönes Schloß! Überhaupt erstaunlich, wie viele Schlösser es hier gibt, man hatte ja gedacht, außer Zechen, Trinkhallen und Stadien gäbe es hier nichts, aber Pusteblume – da Ruhrgebiet ist grün! Und blau! Und rot! Und schwarz-gelb!


Es wird Zeit, ich muss den Rückflug antreten, doch da, ein Schild der Route Industriekultur, Nordsternpark, da schnell noch hin. Was ich fast überfahren hätte entpuppt sich als riesiger Landschaftspark auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Nordstern, interesting and wunderbar lebendig, viele spielende Kinder, schön gemacht! Hier ein andermal nochmal hin!

Am Rhein-Herne-Kanal zurück Richtung Osten, business as usual am Kanal: Heerscharen an Ausflüglern und Halbwüchsigen, wohl dem, der eine Klingel hat. Ich mache drei Kreuze, dass ich diese Route, die auch in meinem Wanderführer verzeichnet ist, noch nie zu Fuß gelaufen bin: es zieht sich und ist wenig abwechslungsreich, Kanal halt. Einzig die Künstlerzeche Alter Fritz könnte… aber sie ist es nicht, nur eine Halle voller Kunst und dazu ein Biergarten. Die letzten 10 Kilometer führen mich über eine vierspurige Straße zurück ins Recklinghäuser (nicht -hauser!) Zentrum. Um auf’s main dish zurückzukommen: es war reichlich, aber ein bisschen so wie Schnitzel Pommes – irgendwie viel und geil, aber zum Ende hin isst man es nur noch aus Pflichtbewusstsein auf.

Tour grob bei Komoot

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