Kategorien
ausfluege

Die Südlichen.

48 km by bike durch Münsters südliche Stadtteile oder Acht aus Siebzehn.

Und als ich so meine Abendrunde drehte, frug ich mich, ob es denn nicht möglich wäre, in einer Tour alle 17 Münsteraner Stadtteile abzuklappern. Ich fuhr also los, erstmal durch das noch urbane Gremmendorf entlang der stillgelegten Bahntrasse ins ehemalige Künstlerdorf Angelmodde.

Hier, wo die Angel in die Werse mündet, woher das Örtchen auch seinen Namen hat, ist es schön langweilig. hätte ich fünf Kinder oder wenigstens einen Hund, ich zöge hin. Viel Grün, schmale Straßen, ein Kirchhof döst friedlich in der Betrieblosigkeit.

Nur einen Katzensprung weiter ist dann schon Wolbeck, früher mal Waldbach, heute halt Wolbeck (gut, das mit Waldbach ist ne Weile her). Der Sonderstatus wird schon am Ortseingang deutlich: groß „Wolbeck“, klein dadrunter „Stadt Münster“, statt wie sonst immer andersrum. Außerdem: geiler Drostenhof mit Park, eigener Karnevalsumzug – heute zwar nicht, aber sonst immer: wer Wolbeck nicht in einem Atemzug mit dem Zibomo (Ziegenbocksmontag) nennt, hat sein Bleiberecht verwirkt. Und ein Tiergarten ohne Tiere, also vielleicht Vögel und Käfer, aber sonst nicht viel, auch keine Ziegenböcke, jedenfalls nicht, dass ich wüsste.

Das Städtchen ist innen drin mega schnuckelig, außen rum natürlich wie in jedem der Flecken, die ich heute besuche, Neubaugebiete, ganz neue, etwas ältere und noch ältere. In den Häusern drin: die entsprechenden Generationen. Wenn sie nicht mehr leben: Leerstand.

Eine Karte brauche ich nicht. An jeder Ecke stehen Wegweiser, die mich zum nächsten Ort geleiten. Also Hiltrup, mit rund 25.000 Einwohnern Münsters größter Stadtteil.

Industrie, Kanal, Bahn, Einkaufen, Luft und Liebe, hier gibt es nichts, was es nicht gibt, leider war ich hier schon tausend Mal und kann mich gerade nicht wirklich begeistern. Nicht, dass wir uns falsch verstehen, ganz, ganz toller Stadtteil, Hiltrup, aber heute nicht. Vor der großen Kirche eine mega Skulptur, zwanzig alte Leute machen Polonäse, alle sind dick, ich weiß nicht, warum. Berühren verboten. Wenigstens erfahre ich, dass Hiltrup seinen Namen der Lage auf einem Sandrücken (oder Geest) verdankt. Also Hil=hill und trup=Dorf. So.

Vom industriellen Hiltrup ins ländliche Amelsbüren, normalerweise klare Sache für den Kanalradweg, heute zur Abwechslung mal nicht. Flächenmäßig größter Staddteil, davon sieht man wenig, im Gegenteil: geradezu winzig ist der Ortskern, eine Kirche, ein Gasthaus, eine Schule, fertig. Der angebliche Namensgeber Amulunc lebt schon lange nicht mehr, seine einstige Behausung (bur) steht vielleicht noch. Im Fenster des Gasthauses eine Bekanntmachung: Stammtische wieder erlaubt!

Es ist plötzlich sehr warm, nein, doch nicht, es ist kalt, egal, und nun folgt ein nerviges und recht langes Stück, zunächst entlang einer Vielbefahrenen, durch eine mir gänzlich unbekannte Bauernschaft namens Loevelingloh – fünf Häuser und eine riesige Feuerwache –, über die A1, dann über die A43, Pferde, Pferde, wie überall hier, ich zähle schon nicht mehr, irgendwann dann Albachten, das Dorf der Betrunkenen: Bischof Liudger soll hier einst alle Bewohner geistig vernebelt vorgefunden haben, was ihn zu dem Ausruf, sie seien „alle Baccanten“ (Bezug: Bacchus, Weingott), veranlasst habe. Nun gut, das ist eine Weile her, heute haben ein paar kleine Mädchen Flötenstunde outdoor auf der Kirchwiese und der Inhaber des Dönergrills blickt links und rechts die Straße runter. Schön ist es nicht gerade. Ist aber auch halb zwei, undankbare Zeit.

Eine Cola von der Tanke und weiter geht’s über Bauernstraßen nach Roxel, dass ich völlig halbherzig abhandele, entweder wegen der Mittagsmüdigkeit oder wegen dem Muff, der über Roxel hängt wie in einer schlecht gelüfteten Mottenkiste. Was dieses Dorf mal bräuchte, ist ein ordentlicher Rave. Aber geht ja gerade nicht.

Die Entscheidung, dann doch nicht alle Siebzehn zu machen, war schon längst gefallen, ich meine, ich habe ja auch noch andere Dinge zu tun und das gute Wetter mehr als ausgereizt. Aber, um das festzuhalten: Es ginge! Mecklenbeck noch, liegt eh auf dem Heimweg, eigentlich ganz schön, zumindest der alte Kern, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen. Aber Wahnsinn, wie zugebaut es mittlerweile ist. Wären die Häuser nur etwas hoher, Mecklenbeck wäre Millionenstadt, doch so bleibt es Vorort mit Spielstraßen, Edeka und bravem Gemeindezentrum.

Also war dies der erste Streich, und der zweite folgt irgendwann anders.

Tour bei Komoot

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.