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Das Kreuz und das Quer.

25 km über die Halde Haniel und durch die Kirchheller Heide


Zugegeben, etwas enttäuscht war ich schon. Da hatte ich mir extra eine Tour in Oberhausen rausgesucht und dann startete und endete sie hinter dem Ostausgangsschild. Von Oberhausen also keine Spur. Aber: Zeche und Halde, undzwar eine ganz besondere: Prosper Haniel. Klingt gut, wird noch besser: Prosper Haniel war das letzte, aktive Steinkohlebergwerk in Deutschland, schloss erst vor gut zwei Jahren, hinterließ eine große Halde, aber das Highlight: der Papst war da! 1987 kam er, blickte von der Halde hinunter auf den Pott und sprach: Gott segne euch, Glück auf! Dann war er wieder weg und man baute einen Kreuzweg die Halde hinauf. Der Blick von hier oben ist tatsächlich toll, wäre ich Papst gewesen, ich wäre auch hierhin gekommen. Und nun – ich bin kein Papst und trotzdem hier!

Auf steilen Mountainbike-Pfaden klettere ich wieder runter von der Halde, wie ich hochgekommen bin, und beginne den offiziellen Teil der Wanderung, eine eher anspruchslose Tour durch die Kirchheller Heide. Nachdem ich zwei Stunden kreuz und quer über die unzähligen Forstwege durch den Wald gelaufen bin, wieder und wieder in die falsche Richtung, finde ich gegen Mittag den Startpunkt der eigentlich 16 km langen Strecke. Los geht’s. Die Heide ist schön, eigentümlicherweise sind Teile der Heide mitsamt Baumbestand in Seen versunken.

Leider führt der Weg – und ich hätte es wissen können, als ich das Adjektiv „fahrradfähig“ las, meist über breite, lange, gerade Forstwege. Links und rechts Buchen und kranke Fichten, wie immer, am Wegesrand Farne, Nesseln, ab und an ein Fingerhut. So boring, dass ich streckenweise jogge, um der Langeweile schnell zu entfliehen. An dem Sportflugplatz „Schwarze Heide“ vorbei, wo zahlreiche Planespotter auf die nächste knatternde Maschine warten, zum idyllischen Heidhofsee, der zum Verweilen einlädt. Kurzes Gedenken an den Heimat-und-Heide-Dichter Hermann Löns, dessen Naturprosa und -poesie sich vor hundert Jahren großer Beliebtheit erfreute.

Dann links, rechts, rechts, links zum Heidesee und wieder rechts, links, rechts, rechts durch den Wald zur Grafenmühle. Hier ist die Hölle los, zwischen mehreren Biker-Treffs wird im Dunst kräftiger Jägersoße Minigolf gespielt und zwölfköpfige Familien erfreuen sich an einer spannenden Partie Parkplatzsuche. Ich nehme die Beine in die Hand, jogge zurück zum Auto und bin weg. Oberhausen werde ich mir ein andermal anschauen.

Tour (ohne das anfängliche Verlaufen) bei Komoot

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