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Ehrlich, herrlich.

16 km vom Gysenbergpark in Herne über Castrop-Rauxel und die Siedlung Teutoburgia, anschließend eine kleine Radtour durch die City.


Ich werde ja oft gefragt, warum ich jetzt so viel im Ruhrgebiet wandere. Nee, eigentlich werde ich fast nie gefragt und so lange mache ich es ja auch noch nicht, aber täte mich heute jemand fragen, ich müsste gar nicht antworten, sondern nur den Arm ausstrecken: Wälder, Wiesen, Straßen, Häuser und Industriekultur, alles durcheinander wie in einer Mischtüte und alles darf so sein, wie es ist. Der Wald wird nicht bewirtschaftet wie sonstwo, das lohnt nicht, außerdem ist das Grün hier wertvoll. Die Häuser tragen die Patina vergangener Tage und verlaufen kann man sich nicht, wie eine Bowlingkugel stößt man sich an Autobahnen, Bahnstrecken und Schrebergärten und rauscht mit Karacho in die nächste Großstadt, von der man zwar ahnte, aber nie wusste, wo genau sie sich befindet. Heute also: Herne.

Start ist am Gysenbergpark, genauer: an der Hannibal-Arena. An der Tür nur ein Schild: der Eiswart sei in Notfällen unter folgender Telefonnummer erreichbar. Der Gysenbergpark schläft noch, doch später wird er zum Mekka erholungsuchender Familien, später werden hier Schlangen vor der Gelateria stehen, im kleinen Freizeitpark werden die Mädels und die Bremsen quietschen und auf der weitläufigen Wiese werden mehr Bälle geschossen und geworfen als in Wimbledon, Maracana und St. Peter-Ording zusammen.

Der Weg führt durch den schönen Gysenberger Wald und dann durch das idyllische Auengebiet Langeloh. Die Menschen sind bestens gelaunt, ein jeder trägt ein Hallo auf den Lippen und ärgert sich höchstens über den eigensinnigen Hund, der mal wieder nicht so recht hören will. Weiter geht’s durch die ehemalige Zechensiedlung Obercastrop, die an diesem Pfingstmontag wie verlassen wirkt. An der Bahnlinie entlang laufe ich zügig durch ein Industriegebiet, hier gibt es nichts zu genießen, außerdem ist es mittag und furchtbar heiß. Angenehmer wird es wieder hinter der A42, im Castroper Holz, wo die Erzieherinnen eines Kindergartens bitten, die bunten Steine liegen zu lassen, die seien für die Kinder. Wie überall wird auch hier auf den Wiesen das Heu gewendet. Der Weg macht einen Bogen und es geht zurück Richtung Süden durch den Kunstwald Teutoburgia, wo einstmals die Zeche stand (jetzt Kunst), und die angrenzende, sehr schöne Arbeitersiedlung.

Zum Abschluss laufe ich einen Berg hinauf, wo mich der Kaiser-Wilhelm-Turm erwartet, zu dessen Füßen sich der Ascheplatz des SV Sodingen ausbreitet. Es wirkt, als sei der Wasserturm dazu da, um das Spielgeschehen zu überblicken. Aber dem ist nicht so. Jedenfalls nicht primär.

Vom Berg runter erreiche ich wieder den Gysenbergpark, in dem, wie gesagt, nun die Affen tanzen. Es ist noch früh, also beschließe ich den Ausflug mit einer Stadterkundung per Rad. Ich gerate zum Trümmerfeld der abgerissenen Zeche Mont Cenis, auf dem sich nun ein schickes Fortbildungszentrum befindet.

Hinter dem Bahnhof entdecke ich Schloß Strünkede, dessen Vorläufer sich hier schon vor knapp tausend Jahren befanden. Ein schöner Park drumherum lädt zum Verweilen ein.

Im Park: das „Stadion am Schloß Strünkede“, dessen Kapazität von 32.000 Zuschauern davon zeugt, dass Herne zum einen eine Großstadt ist, zum anderen der heimische SC Westfalia zwanzig Jahre lang erstklassig spielte, bis 1963 – heute jedoch nur noch fünftklassig. Durch die sehr lebendige Fußgängerzone, an deren Ende mich das moderne Museum für Archäologie überrascht, strampele ich zurück und erhole mich beim Anblick kickender Kinder mit einer kalten Cola.

Tour bei Komoot

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