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ausfluege

Die Seesucht.

27 km um einen Großteil des Biggesees


Der Tag beginnt zu spät und ausnahmsweise liegt es an mir. Aus Spaß hatte ich L. geschrieben: Abfahrt pünktlich 7:45 Uhr. Da lag ich noch im Bett. Um 10 holte ich ihn in Hagen ab, um 11 waren wir schließlich am See. Von dessen Größe sieht man: nichts. Überhaupt sieht man den See fast nur, wenn man an seinem Ufer steht. Er windet sich in schmalen Kurven zwischen dicht bewaldeten Hügeln, wie eine letzte vergessene Pfütze im ansonsten staubtrockenen Acker. Wir laufen zunächst am See entlang, dann in den Wald hinauf, ein bisschen irgendwelchen Zeichen hinterher, ein bisschen der Nase nach, immer wieder durch kleine sauerländer Dörfer hindurch, eines trägt den Namen „Unterneger“, an einem sehr ordentlichen Campingplatz verlieren wir den Faden, sehen aber wenigstens den See wieder, der uns schon abhanden gekommen schien.

Wir überqueren ihn bei Eichhagen und finden dort den Zugang zum gut ausgeschilderten Bigge-Lister-Weg. Landschaftlich möchte man sich resigniert abwenden und ein gutes Buch aufschlagen oder gleich wegdämmern – wenn nicht gerade irgendwo eine Hotelruine steht oder drei Jungs ihren Trekker für eine Ausfahrt herrichten sehe ich nichts Neues, nur Fichten, Buchen, Birken, Felder, Wiesen, Eichen, Eschen und ab und zu eine kreuzende Straße oder eine misstrauische Krähe. Ich frage mich, wie lange ich noch durch Mittelgebirge wandern werde. Heute liegt der Reiz in der Gemeinschaft und der Aussicht auf das erste Bad im See des Jahres, an anderen Tagen muss ich ihn woanders suchen, vielleicht im Höher, Schneller, Weiter, vielleicht in der Sonderbarkeit dessen, was ich sehe oder denke.
Wir überqueren die Listerstaumauer. Auf dieser Westseite des Biggesees knattern Motorräder ohne Unterlass an uns vorbei, ich zähle sie nicht, ich könnte es nicht, aber den fünfhundertsten werde ich erschiessen. Keine Sorge, ich werde es nicht tun. Man denkt ja immer, es seien junge, wilde, die da ihre Freiheit ausreizen, doch unter den Helmen stecken hier meist graue Haare. Ich wünschte, sie würden wandern oder irgendwo im Schaukelstuhl sitzen.
Wir kürzen ab und landen auf einer Lichtung, die offenkundig der Ausübung der Freikörperkultur dient, kreuzen und queren noch zwei, drei mal die Straße und erreichen unseren Ausgangspunkt.

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